Donnerstag, 15. November 2007

Kühlschrank

Najo, irgendwann muss man sich auch mit dem Allernötigsten eindecken. Nach einem Monat hin und her habe ich mich dann doch entschieden, einen Kühlschrank zu kaufen. Das Hauptargument waren nicht die 50 €, sondern der Platz! Ja, richtig, Platz in diesem riesen Land! Mein Zimmer ist nämlich nur 10m² groß und ein Kühlschrank hätte "viel" Platz eingenommen. Außerdem hat unser uni-interner Supermarkt, nur zwei Minuten vom Wohnheim entfernt, jeden Tag bis 23:30 geöffnet. Sonntags inklusive, versteht sich. Doch irgendwann hat die Faulheit und das Verlangen nach Joghurt gesiegt.

Tja, in diesem Supermarkt wird fast alles verkauft. Von Klamotten, Wanderrucksäcke, Schachspiele, Fahrräder bis hin zu Lebensmittel, Uhren, Schreibzeugs, Geschenkartikel - einfach ALLES. Nur leider sind viele Artikel etwas, naja, sagen wir: kitschig.

Auf der Suche nach einer Tasse fand ich nur wahnsinnig kitschige Tassen. Motive wie verliebte Kinder oder Sprüche über die ewige Liebe. Nur so was und nichts anders. Hmm..... Glaube, dass manche Leute hier wahnsinnig verträumt sind. Naja, jedenfalls habe ich mich für die folgende Tasse entschieden und immerhin erfüllt sie ihre Funktion :)
Es scheint aber hier normal zu sein, dass die Universitäten einen eigenen Supermarkt haben und die Studenten den Campus so gut wie nie verlassen. Das Verständnis von Universität ist hier sowieso etwas anders: jede Universität ist hier umzäunt und hat i.d.R. nur vier Tore und sollte abgeschottet sein wie ein Mikrokosmos mitten in der großen Welt. Und an der Tsinghua University, Chinas Universität No. 1 wird dieses unabhängiges Selbstverständis besonders ausgelebt. Die Universität (der Campus ist ca. 4km² groß) hat ein eigenes Krankenhaus nur für die Studenten und Alumnis, Wohnviertel nur für die Ehemaligen, ein Kindergarten, eine Grundschule, ein Gymnasium, ein eigenes Kraftwerk, ein Souvenirshop, und... ach, einfach alles, was einem so einfällt. Man könnte quasi hier sein ganzes Leben hier drinne verbringen - nur beerdigt kann man hier nicht. Sogar die Kreide und unser Eis enthält die Tsinghua Aufschrift. Wahnsinn. Naja, man versteht sich hier als geschlossene Gesellschaft und ist sowieso bisschen stolz drauf....

Mittwoch, 14. November 2007

Summer Palace / 颐和园

Der Summer Palace, den die Chinesen 颐和园 nennen, wurde vom Kaiser Qianlong gebaut. Nach der Zerstörung durch die Engländer und Franzosen im Zuge des zweiten Opiumkrieges wurde dieser Garten von Cixi als Geburtstagsgeschenk an sich selbst (so kann man sich auch zum Geburtstag gratulieren) wieder aufgebaut. Nur war der Staat zu dem Zeitpunkt nach etlichen Kriegen und Reparationsverpflichtungen pleite und so wurde das Geld, das für den Aufbau der Flotte bestimmt worden war, für dieses Bauvorhaben abgezweigt. Die Beiyang-Flotte, die damals modernste Flotte in Asien, wurde übrigens 6 Jahre später u.a. wegen fehlender Ausrüstung und mangelnder Wartung von den Japanern vernichtet. Was passierte danach? Diverse Aufstände und die schönsten Anlagen von Peking wurde wiederholt niedergebrannt. Selbstherrlichkeit, Gigantismus und Prestigbauten - alles Luftblasen, die ebenso schnell zerfallen wie sie aufgebaut wurden....

Achja, ein Großteil der besagten Flotte wurde in Deutschland von Krupp gebaut.

Shanghai, part IV

So wollen die Planer von Shanghai ihre Stadt haben:Sieht schon mal ganz gut aus. Kaum vorstellbar, dass vor 20 Jahren hier nichts stand! Wie würde es in 50 Jahren aussehen?

Shanghai, part III

Die Radfahrt hat uns doch uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Es war zwar Anfang Oktober (okay, ich weiss, ich lieg mit dem Blog ungefähr einen Monat zurück, Asche auf mein Haupt), aber wir hatten immer noch knapp 30°C und die hohe Luftfeuchtigkeit hatte uns den Rest gegeben. Kurze Klamotten mussten her. Also gingen wir in dieses mall - direkt neben dem weltbekannten Fernsehturm.

Die Sachen hatten europäische Preise und dementsprechend gering war die Anzahl der Kunden - und beim Schreiben fällt ein, dass der kleine Klugscheißer in mir es auch mit der Preis-Absatz-Funktion erklären könnte. Hohoho, BWL ist vielleicht doch mehr als leeres Gelaber? Wie auch immer, die meisten Kunden hatte immer noch H&M. Auch hier waren die Sachen genauso teuer (oder billig) wie in Deutschland, doch immerhin können sich das schon mehr Chinesischen leisten. Und H&M verleiht immerhin den Kunden ein europäisches, naja, sagen wir besser pauschal ausländisches Lebensgefühl, und das scheint der chinesischen Kundschaft sehr gut zu gefallen. Und bunt ist sowieso hier immer gut. Wenn die nur wüssten, was für eine Trashkette H&M in Wirklichkeit ist.... Tatsächlich ist dieser Trend sowohl in Peking als auch in Shanghai zu beobachten. Viele ausländische Ketten setzen auf Expansion mit bestehenden Produkten in neuen Märkten, um dem Druck im Heimatland zu entgehen. Tatsache ist, dass viele ausländische "Topmarken", deren Produkte hier zu Höchpreisen verkauft werden, kaum in Europa groß in Erscheinung getreten. Oder ich formuliere es besser so: mir sind sie jedenfalls kaum bekannt. Z.B. die deutsche "Edelmarke" Kaiser, wie das hier immer heißt... hier scheinen die überall zu sein, und ein Hemd kostet bis zu 80€ - hat einer in Deutschland schon mal was von der Marke gehört? Auch in Deutschland etablierte Marken wie eterna, olymp oder Boss findet man hier kaum. Ralph Lauren, Hilfiger etc findet man auch nur auf dem Fake-Market, aber nicht in den Edel-Geschäften, obwohl die durchaus noch teuere Produkte verkaufen. Gucci, Armani Krams dagegen findet man wieder häufiger. Der Markt des guten Geschmacks ist also durch und durch eine Sache von geschickter Marketing und Marktpositionierung.

Beim H&M trafen wir auch das schwedische Topmodel Elli M. ;)
Nachdem Sabrina ihre Sachen bekommen hatte, gingen wir Essen. Beim Burger King, versteht sich - schließlich sind wir in China und westliche Zeugs a la McDonald's sind für Erste zu vermeiden.

Sehr nachdenklich,
Leider hatte das Wetter nur zeitweise mitgespielt... suboptimal.

Hier nochmal einige wichtige Beweisfotos
... und die glücklichen Kinder:

Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Es war der 1.10 - der chineische Nationalfeiertag war von höchster nationaler Bedeutung und man fürchtete wohl Ausschreitungen an diesem wichtigen Feiertag. Jedenfalls wurde die gesamte Promenade zwischen 8 und 11 Uhr gesperrt. Und die Uniformierten forderten uns auf, die Terasse des Lokals zu verlassen. Für ein gutes Fotos blieb da leider nicht mehr viel Zeit....


Auf dem Fernsehturm, der übrigens abends total kitschig bunt und wie ich finde, auch geschmacklos, beleuchtet wird, gab es ein Buffet für irgendwas um die 30 €. Nach langem Diskutieren wollten wir dann doch dort essen gehen. Doch wir waren ein bisschen zu spät. Nach 20 Uhr werden keine neuen Gäste mehr raufgelassen. Chinesischen essen nun mal früher.....

Neben dem Fernsehturm gab es zwei japanische und ein chinesisches Restaurants. Leider hatte uns das chinesische nicht so angesprochen. Also gingen wir zum Japaner essen - am chinesischen Nationalfeiertag. Ohje, ohje...

Shanghai, part II

Viele Chinesen sagen, dass Shanghai in der Entwicklung Peking um 10 Jahre im voraus ist. Da ist schon was dran. Die Stadt ist sauberer, die Luft besser und aber es wird auch hier viel wirtschaftlicher, oder besser gesagt, materialistischer gedacht und gehandelt. Man kanns so oder so sehen.....
Altes und Neues. Nur im Gegensatz zu Europa werden die alten Bauten als rückständig emfunden und somit massenweise abgerissen....
die Architektur. Man bekommt einfach nicht genug von....
Irgendwann fanden wir diese Grünanlage mitten in den Hochhäusern. 1993 war das hier noch ein herunter gekommenes Viertel. Dann wurden fing man an, hier zu bauen. Und auch die Wiese war mit eingeplant.

So wollten die Planer es haben:

Jedenfalls sind die deutschen Gäste von der Planung stark beeindruckt, hehe


Und heute siehts so aus:
Man konnte sich Vierräder oder Elektroräder (für die Ultrafaulen) mieten. Eine halbe Stunde hatte 6 Euro gekostet. Die Investition hatte sich auf jeden Fall gelohnt:
Es war der 1.10 - es wurde viel geheiratet. Pünktlich zum Nationalfeiertag.... Hum. Naja, eine plausible Erklärung ist, dass alle Freunde und Verwandten an der Hochzeit teilnehmen können. In China gibt es nämlich keine flexiblen Urlaubstage. Und ein anderes Datum hätte wohl bedeutet, dass nicht alle daran teilnehmen können. Weiss nicht, ob das der wahre Grund ist. Tatsache ist, dass der Park voll von Hochzeitspärchen war. Es wurde fleißig fotographiert und gelächelt.
Irgendwie ist diese Feiertagsgesellschaft schon bisschen faul. Man kommt mit dem Auto, fährt dann mit Elektroräder durch den Park, isst viel und gut und geht anschließend eine Runde mit den Kiddies Goldfische(!!!!) aus einem Gartenpool angeln. Unternimmt so etwas eine normale upper-class Shanghaier Familie am Wochenende mit seiner Familie? Irgendwie ist das Ganze stark gewöhnungsbedürftig....